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North West Native Horsemanship

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Welche Philosophie verbirgt sich hinter dieser Lehre?

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Hinter jedem Trainingssystem ist eine Idee, Lehre etc. verknüpft.

 

Das North West Horsemanship ist die Lehre der Palouse Native People, welche im Nordwesten der USA ansässig waren und es noch heute sind.

Was genau haben den die Plateu Stämme, zu denen auch die Palouse zählen, im 18. Jahrhundert getan um sich mit diesem neuartigem wesen Pferd vertraut zu machen? Ihr Ziel war es ja schließlich den „großen Hund“ (in Ihrer Sprache „Kusi k'úsi“) für ihre Bedürfnisse nutzen zu können. 

Nun ist so ein Wildpferd ja nicht gerade angetan, wenn der Mensch ihm zu nahe kommt. Dies beruht auf der schlichten Tatsache, dass Pferde Beute und somit Fluchttiere sind. Wir Menschen wiederum zählen zu den Predatoren also Jägern. Mutter Natur hat die jeweilige Spezies mit den entsprechenden Merkmalen und Fähigkeiten (im Laufe von Jahrmillionen) so ausgerüstet.

Der Palouse Native hat sich der Herde so weit wie vertretbar genähert und  beobachtet. Tagelang, wochenlang wenn sich die Möglichkeit ergab. Aus diesen Beobachtungen hat er seine Schlüsse gezogen. Das Hauptmerkmal war und ist in jeder Herde das Leittier!! Diesem sind sämtliche Herdenmitglieder untergeordnet, bedingungslos gefolgt und haben seinen Rang respektiert. Dieses Pferd durfte als erstes Fressen, Saufen und sich an den besten Plätzen zum Schlafen positionieren. Das waren und sind seine Privilegien. Diese Privilegien setzt ein Leittier auch bei Bedarf rigoros durch. ( Wer einmal die Möglichkeit hatte eine Herde über etwas längeren Zeitraum zu beobachten, wird dies bestätigen) Aber ein Leittier hat auch die Pflicht die Herde zu führen. Umsichtig, Souverän, Weise. Ein gutes Leittier sieht man nicht auf den ersten Blick. 

Nur so ist das Überleben der einzelnen Mitglieder und der gesamten Herde gesichert.

Dieser (über alles bestimmende) Instinkt ist in jedem Pferd tief verankert und verwurzelt. BIS HEUTE!! Die Herde bietet Schutz; Sicherheit; Komfort 

Elementare Punkte für ein Flucht und Beutetier!

Ließ das Leittier diese oben aufgeführten Punkte vermissen, so hat sich die Herde von ihm abgewandt und ist oft dem im Rang 2 stehendem Tier gefolgt. 

Nun kommen wir in unsere heutige moderne Welt und Pferdehaltung. Die Herdenhaltung ist so gut wie nicht existent. Und falls doch sind es oftmals zusammengewürfelte Offenstallmitglieder mit häufiger Fluktuation. Das Pferd ist auf der Suche nach Schutz; Sicherheit und Komfort und wendet sich mit diesen Bedürfnissen an seinen Menschen.

Unsere Aufgabe ist es, eine Beziehung zu unserem Pferd aufzubauen und in dieser 2er Beziehung muss einer führen und einer folgen. Herdengrundprinzip.

Im North West Horsemanship zeigen wir euch, wie ihr zu einem zuverlässigen Partner für euer Pferd werdet und lernt dieses zu führen.

In verschiedenen Stufen erklären und lehren wir euch das „Leittierprinzip“ 

Dieses Prinzip hat nichts Mit Dominanz zu tun, sondern einzig mit Präsens/Kommunikation

In verschiedenen Kursen und Workshops erklären und zeigen wir euch die Abläufe. Auf unserer Ranch stehen euch unsere nach North West ausgebildeten Pferde als Partner gerne zur Seite.

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Was unterscheidet das „Horsemanship“ des Native von anderen Lehren?

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In vergangenen Zeiten wurde das Pferd überwiegend als Lastentier und Arbeiter gesehen. Entsprechend war der Umgangston oft rau und wenig verständnisvoll. 

Über Jahrhunderte hinweg hat sich dieses Verhalten des Menschen gegenüber dem Pferd nicht oder nur sehr geringfügig verändert.

Mitte des 20 Jahrhunderts (auch wir Menschen haben uns ja vom Primaten weiterentwickelt -😊) kam es zu einem Umdenken einiger Pferdemenschen. Sei es in den großen Weiten des amerikanischen Westens oder im barocken Europa. Überall erkannten Menschen, dass Pferde viel mehr zu geben hatten, als nur Lasten zu tragen, als Arbeiter auf einer Ranch oder Soldat im Krieg zu dienen.

Hängen geblieben im modernen 21 Jahrhundert ist vielen Menschen der Begriff „Horsemanship“

Lange bevor Männer (Cowboys) wie Tom + Bill Dorrance oder Ray Hunt Im Amerikanischen Nord Westen (Oregon) auf der Bildfläche erschienen, hatten die Native People es verstanden Pferde mit Ihrer Form des “Horsemanship” zu arbeiten. Diese Form begründet auf Erfahrungswerte durch beobachten des natürlichen Lebensraumes der Pferde. Die Herde. Wochenlang zogen die Krieger mit der Herde durch die Landschaft und studierten Ihre Verhaltensmuster. Hieraus zogen Sie ihre Rückschlüsse, wie man am effektivsten diese Tiere leiten kann. Das sogenannte “Alpha Tier” der Herde hatte die absolute Position. Sein Rang war unumstritten und wurde von keinem Herdenmitglied in Frage gestellt. Diesen Rang übernahm der Native in der Arbeit mit seinem Pferd. Auch heute arbeiten wir mit der North West Lehre nach diesem Prinzip. Auch Cowboys wie Tom Dorrance kamen zu dem Schluss, das es sinnvoller ist, mit Pferden in die Interaktion zu gehen als sie zu “brechen”.  Mit Souveränität, Ruhe und viel Geduld erarbeiteten sie sich einen Weg gemeinsam mit dem Pferd. Das „Horsemanship“ des Cowboys war geboren. 

Der grundsätzliche Unterschied zwischen North West und anderen Horsemanship Lehren ist die Erarbeitung des Respekts vom und mit dem Wesen Pferd. Erst nach Erreichen dieser Grundbasis wird an weiteren Schritten gearbeitet.

Durch den Respekt erfolgt das Vertrauen, die Kontrolle und der Gehorsam. Gegenseitiger Respekt ist meiner Ansicht nach die Basis für alle weiteren Schritte.

Das North West Horsemanship ist auf diese 4 Säulen aufgebaut.

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Der Unterschied zwischen „Join up“ und North West Lehre

 

Dominanz VS Präsens/Kommunikation

 

Der begriff „Join up“ ist vielen Pferdemenschen geläufig.  Das Pferd wurde in einem Round Pen/oder einem anderen begrenzten Bereich Runde für Runde geschickt. Dies wurde durchexerziert. Bis das Ziel erreicht war. Ohne Pause, ohne Fragen, ohne Angebote des Menschen. Das Tier wurde in eine für ihn "ohnmächtige" Situation geschickt. Auch hier wichtig zu erwähnen ohne körperliche Gewalt. Irgendwann kam bei jedem Pferd der Punkt, wo es (um der Situation zu entkommen) sich dem Menschen zugewandt hat. Hier gab es für das Pferd keinerlei Möglichkeit der Kommunikation. Dies ist praktizierte Dominanz.

 

Der Unterschied zwischen den beiden Lehren besteht in der Anwesenheit (Präsens) des Menschen und der Kommunikation zwischen Mensch/Pferd. Auch bei der North West Lehre wird das Pferd im Round Pen gestartet. Die Aufgabe ist es dem Pferd (ohne Einwirkung von Gewalt oder Hatz) zu zeigen, das der Mensch in dieser Zweier Beziehung führt. Anders aber als bei der oberen Methode wird hier auf feinste Zeichen seitens des Pferdes (Kommunikation) geachtet und dem Pferd immer Gesprächsbereitschaft (durch einstellen des Druckes) signalisiert. Dem geschulten Auge des Menschen dürfen die Signale des Pferdes nicht entgehen. Der Start im Round Pen wird solange aufrecht erhalten, bis das Pferd Signale zur Kommunikation zeigt und somit den Alpha/Führstatus des Menschen anerkennt. Die Präsens zeichnet sich durch Geduld; Innere Ruhe/Ausgeglichenheit und klare Körpersprache aus.

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Was ist eigentlich „Horsemanship“?

 

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Wo kommt der Begriff „Horsemanship“ her?

 

Als erstes müssen wir hier ein wenig in die Vergangenheit reisen. Im 18/19 und teilweise auch noch zu Beginn des 20‘ Jahrhunderts war es üblich Pferde nicht als empfindsamen Wesen und Individuen zu sehen. Sie wurden von den Menschen sehr oft einfach „gebrochen“ 

Hierunter versteht man die körperliche und seelische Misshandlung von Lebewesen bis zur völligen Selbstaufgabe.

In den 1930/40er Jahren erschienen die ersten Cowboys, wie Bill und Tom Dorrance etwas später auch Ray Hunt, (einer der Schüler von Tom der selber zur Legende wurde), auf der Bildfläche. Diese Cowboys arbeiteten entgegen dem allgemeinen Trend des Brechens mit Ruhe, Verstand und Beobachtungsvermögen. 

In 2. Generation folgten so große Namen wie Jean-Claude Dysli; Buck Brannaman; Warwick Schiller und Mark Rashid. Um nur einige zu nennen.

Jedes Lebewesen ist ein Individuum. Somit hatte/hat jeder von Ihnen seine völlig eigene Art mit Pferden zu arbeiten. Aber alle waren oder sind große Horseman.

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Wie „denkt“ ein Pferd/was ist ein Pferd?

 

Den Begriff denken, habe ich hier ganz bewusst gewählt. Pferde denken nicht! Wie wir Menschen!

Pferde reagieren auf Situationen instinktiv. Pferde sind Flucht und Beutetiere. Als solches sind sie nunmehr seit 40 Millionen Jahren auf diesem Planeten. Seit ca. 20 Millionen Jahren haben sie sich in Ihrer Form nicht mehr wesentlich verändert. 20 Millionen Jahre Flucht/Angstinstinkt!!! Dank diesem haben Pferde in der Evolution überlebt. Dieser Instinkt ist elementar und sollte uns Menschen, in der Arbeit mit Pferden, zum Nachdenken anregen.  

Pferde sind aber auch von der Natur mit noch vielen anderen Sinnen ausgestattet worden. Unter anderem mit einer sehr guten Nase und Gehör. 

Was aber noch viel bemerkenswerter ist, sind ihre, für uns nicht sichtbaren, Fähigkeiten.  Pferde haben ein Gehirn in der Größe von einer Walnuss. Diese Tatsache lässt uns um so mehr, im Bezug auf Ihre Fähigkeiten uns zu “lesen”, staunen.

Zum Vergleich: „Salties“ also Salzwasserkrokodile haben ebenfalls ein Gehirn in der Größe einer Walnuss. Diese sehen uns Menschen aber tatsächlich nur als nächste potenzielle Mahlzeit an. Pferde hingegen möchten mit uns interagieren. Das macht sie so liebenswert. Im Gegensatz zum „Saltie“ 

Pferde leben im „Hier und Jetzt“ Dies bedeutet grob übersetzt: Alles was im Momentum passiert ist wichtig. Alles was vor einer Minute geschah ist nicht mehr relevant (was aber nicht bedeuten soll,  dass Pferde wiederholte Situationen aus der Vergangenheit, egal ob positiv oder negativ, nicht abgespeichert haben) und alles was in der Zukunft geschehen könnte, schon mal gar nicht.

Johannes Wagner (der Begründer der North West Lehre) wurde einst von einem Stammesältesten gefragt: “Was ist ein Pferd?” Ihm fielen damals spontan alle relevanten Dinge, welche auch ich und viele andere in ihrer Reitausbildung gelernt hatten, ein. Nachdem er alles erdenkbare genannt hatte, fragte der Native: Und was ist ein Pferd noch? Die Antwort des Native lautete: “EIN PFERD” Diese 2

 Wörter sind für mich in ihrer Aussage elementar. Genauso muss ein Pferd gesehen und von uns behandelt werden. Nicht als Kumpel oder gar Partnerersatz. Nicht als lebendiges Spielzeug für Kinder. Nicht als Prestigeobjekt. Seine natürlichen Bedürfnisse zu stillen, sollte unser oberstes Ziel sein.

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